Der Westerwald steht auf Toleranz – BUNT STATT BRAUN

Unter dem Motto „Der Westerwald steht auf Toleranz – BUNT STATT BRAUN“ demonstrierten gestern ca. 2500 – 3000 Menschen auf dem Marktplatz in Bad Marienberg. Gemeinsames Motto der Teilnehmer Veranstaltung war, Ihr Bekenntnis zu unseren demokratischen Grundwerten zu demonstrieren und gegen braune Ideologien aufzutreten.

Anlass der hervorragend vom „Wäller Bündnis für Menschlichkeit und Toleranz“ organisierten Veranstaltung, war eine zeitgleich stattfindende Demonstration von Gegnern der Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Gelände des nahe gelegenen ehemaligen Truppenübungsplatzes „Stegskopf“. Hier wird in Kürze mit der Belegung begonnen werden, deren Aufnahmeumfang bis zu 1500 Flüchtlinge erreichen soll.

Als PIRATEN stehen wir für die demokratischen Grundwerte unseres Heimatlandes ein und vertreten einen klaren Standtpunkt, zu dem leider wieder zu beobachtenden Erstarken, der von unserer Regierung noch immer viel zu vernachlässigten Wirkkraft brauner Ideologien.

Die Nutznießer der Verbreitung brauner Ideologien finden einen hervorragenden Nährboden, insbesondere bei sich von der Politik zur Zeit alleingelassen fühlenden und nicht informierten Bürgern. Es war für uns keine Frage, ebenfalls an dieser Veranstaltung teilzunehmen und Flagge für die Grundsätze unserer Demokratie zu zeigen.

Die „Wäller“ setzten gestern gemeinschaftlich mit einer großartigen – die ganze Breite der Westerwälder Gesellschaft umfassenden – Veranstaltung, ein noch lang nachwirkendes Zeichen für Ihr Verständnis von Demokratie, Toleranz und Nächstenliebe, von der ich mit meinen Worten heute berichten möchte.

Die Veranstaltung begann gegen 18:00 Uhr mit einer Rede der Stadtbürgermeisterin von Bad Marienberg, Sabine Willwacher. Vor der Kulisse der zahlreich erschienenen Mandats- und Amtsträger des Landes, der Kreistage, Kommunen, Gewerkschaften, Initiativen und Glaubensgemeinschaften fand sie tief bewegende Worte zu dem in der Region gelebten Verständnis von Toleranz und dem offenem gastfreundlichen und hilfsbereiten Wesen der Westerwälder Bürger.

Sehr  präzise benannte sie, die mit der Unterbringung der Flüchtlinge verbundenen neuen, kraftvoll und mutig anzugehenden, Aufgaben. Sie gab Ihrer Sicherheit Ausdruck, dass die „Wäller“ dies auch gemeinsam mit den zuständigen Verwaltungen bewältigen werden. Mit langem und lauten Beifall honorierten die Anwesenden diese fühlbar sehr von Herzen kommende Rede.

Sabine Willwacher übergab, nachdem der Beifall verklungen war – Ihrer Aufgabe als „Moderatorin“ der Veranstaltung wahrnehmend –  an die Ministerpräsidentin unseres Bundeslandes, Malu Dreyer.

Trotz mehrerer terminlicher Verpflichtungen, hat es sich Frau Dreyer nicht nehmen lassen, Platz für das Anliegen dieser im Bürgerwillen der Westerwälder geborenen Veranstaltung in Ihrem Terminkalender zu schaffen. Sichtlich erschöpft, begann sie Ihre Rede mit einem Bekenntnis zur Offenheit und dem Toleranzwille der Rheinland-Pfälzischen Bevölkerung und erklärte im Weiteren die Position der Landesregierung, zur Erstaufnahmestelle auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes „Stegskopf“.

Sie führte aus, was geplant ist und wie es umgesetzt werden soll – wobei sie die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung darlegte und betonte. Nicht nur mit Ihrer Anwesenheit, sondern auch mit den Worten Ihrer Rede demonstrierte Sie, wie wichtig unsere demokratischen Grundwerte und der daraus folgernde Umgang mit den Flüchtlingen nicht nur der Landesregierung, sondern auch Ihr persönlich sind.

Die Rede der Ministerpräsidentin wurde oft von Beifall begleitet und konnte den Anwesenden vermitteln, dass die Landesregierung im Umgang mit der Flüchtlingssituation vor schweren Aufgaben steht. Gleichzeitig sei es aber der feste Wille der Landesregierung, die Bürger in Rheinland-Pfalz nicht alleine mit Ihren Sorgen und Ängsten zulassen. Hierfür ist man bestrebt die Informationspolitik beständig auf Wirksamkeit zu prüfen und zu verbessern.

Auf Grund Ihrer terminlichen Verpflichtungen konnte die Ministerpräsidentin die Veranstaltung nicht bis zu Ihrem Ende begleiten und so verabschiedete sich Frau Dreyer bald von den Anwesenden, die Ihr einen von Herzen kommenden Beifall für Ihre Rede als Reisegeschenk mit auf die Fahrt zum nächsten Termin gaben.

Unter dem noch anhaltendem Beifall übergab die Stadtbürgermeisterin an den nächsten Redner Achim Schwickert, der als Landrat des Westerwaldkreises den versammelten Menschen einen Einblick in vergleichbare Situationen aus der Geschichte des Landkreises gab. Er konnte sehr gut vermitteln, dass die „Wäller“ in der Vergangenheit solch herausfordernde Situationen, unter weit schwierigeren Bedingungen als den heutigen, erfolgreich und friedlich bewältigen konnten.

Landrat Schwickert berichtete von seinem Besuch in einer Aufnahmeeinrichtung am gestrigen Donnerstag, in der aktuell 50 Flüchtlinge untergebracht sind. Er malte mit seinen Worten sehr plastisch das Bild von Kindern, Frauen und Männern, die er – erschöpft von den Strapazen einer sehr langen Flucht verschüchtert in Ihr ungewisses weiteres Leben blickend – angetroffen hat.

„Glaubt den Angstmachern nicht! Diese Menschen sind keine Gefahr! Sie brauchen dringend unsere Hilfe und Unterstützung!“ fuhr er, eindringlich, emotional und mit unverkennbarem „Wäller“ Farbklang in der Stimme, zum Ende seiner Rede kommend fort.

Auch die Rede des Landrates des Westerwaldkreises wurde von den Anwesenden mit lautem und anhaltendem Beifall beantwortet, der die im Hintergrund erklingenden Klänge der unweit stattfindenden und geschätzt 300 Gegner der Flüchtlingsunterbringung umfassenden Demonstration kraftvoll übertönte.

Der nächste, von Frau Willwacher vorgestellte Redner machte schon in der Wahl seiner Begrüßungsformel „Liebe Kolleginnen und Kollegen, Liebe Bürgerinnen und Bürger, Liebe Antifaschisten“ deutlich, dass es bei dieser Veranstaltung nicht nur um die Demonstration unserer demokratischen Grundwerte, sondern auch um ein lautes und klares NEIN! gegen braune Ideologien ging.

Als Vertreter der Gewerkschaften begann der 1. Bevollmächtigter der IG Metall Betzdorf, Uwe Wallbrecher, seine in direkten Worten gehaltene und von kompromisslos klarer Sprache geprägte Rede – die Erinnerungen an von vielen lang vergessen geglaubte gewerkschaftliche Kraft erweckte – mit einem Gruß der neu gewählten Führungsspitze der IG Metall vom zeitgleich stattfindenden Gewerkschaftstag in Frankfurt.

Er betonte, dass die Grüßenden zwar auf Grund des Gewerkschaftstages leider nicht persönlich vor Ort sein könnten, dass aber der gesamte Gewerkschaftstag in diesem Moment in Gedanken hier in Bad Marienberg sei. Ein Beifall des Dankes der Anwesenden kommentierte diese Aussage augenblicklich.

Uwe Wallbrecher unternahm einen kurzen, auf die Veranstaltung in Bad Marienberg bezogenen, Exkurs in die Geschichte und Tradition der größten Arbeitnehmervertretung der Welt, um die starke Bewältigungskraft gemeinsamen Willens bei großen Herausforderungen – wie der durch die Flüchtlingsproblematik nun auch hier im Westerwald aktuellen Herausforderung –  zu demonstrieren.

Uwe Wallbrecher legte – wohl insbesondere an die anwesenden Mandatsträgern gerichtet –  dar, dass es seiner Ansicht nach nicht ausreicht, die Flüchtlingsproblematik nur mit Toleranz, Hilfe und immer neuen gesetzlichen Regelungen anzugehen, sondern dass die Politik gefordert ist, Ihr bisheriges Handeln neu zu überdenken und auch global etwas zu verändern.

Die Politik könne beispielsweise nicht auf dem Wege der Gesetzgebung Länder als sichere Ausgangsländer – insbesondere gerade solche nicht, in die man noch zuvor Bundeswehrsoldaten zur Friedenssicherung geschickt hat – deklarieren wollen und hoffen, dass die Flüchtlingsroblematik dadurch mildert oder gar behebt, hob Uwe Wallbrecher an einer Stelle seiner Rede hervor.

Diese, die Wurzeln der aktuellen Flüchtlingsproblematik eindringlich und deutlich beleuchtende Rede war so wortreich, dass eine nachträglich zusammenfassende Wiedergabe von mir – obwohl diese Rede sich mit sehr vielen Programmatiken und Grundsätzen der PIRATEN überschnitt – nur ungenau wiedergeben könnte, was Uwe Wallbrecher darlegte.

Vielleicht findet der Redner eine Möglichkeit seine Worte für Interessierte in Abschrift oder digital zur Verfügung zu stellen. Es würde dadurch definitiv ein lesenswerter Blickwinkel zur Thematik der Veranstaltung verfügbar.

Die nachfolgenden Reden von Pfarrer Oliver Salzmann – der die evangelische Kirchengemeinde vertrat – und Pfarrer Winfried Roth – der die katholische Glaubensgemeinschaft vertrat – wurden zu einem, dem Vorredner inhaltlich ebenbürtigen und von Mitgefühl, Verständnis und Glauben geprägten Kontrapunkt, der wunderbar unterstrich, dass diese Veranstaltung wahrlich ein die ganze Westerwälder Gesellschaft umfassendes Ereignis darstellte.

Die Reden wurden von dem Licht von hunderten, im stillen Gebet für die Seelen der auf der Flucht verstorbenen Flüchtlinge entzündeten, Kerzen begleitet.

Meinen Bericht von unserer Teilhabe an dieser großartigen Demonstration regionalen Bürgerwillens abschließend, möchte ich einen ebenfalls beteiligten echten „Wäller“, nicht unerwähnt lassen. Unser einzigartiges „Wäller“-Wetter.

Dass das Wetter ebenfalls geschlossen hinter seinen Westerwäldern und Ihren Gästen stand, machte es mit einem, die ganze Veranstaltung über andauernden und in unserer Region so typischen und tief gehenden herbstlichen Nieselregen deutlich und wechselte – die Geduld der „Wäller“-Seele plastisch aufzeigend – erst nach dem Ende der Veranstaltung in den, in unserer schöne Landesregion darauf – häufiger als Andernorts – folgenden „Keine zwanzig Meter Sicht“ Stark-Regen.

Da ich als „Zugezogener“ die Offenheit, Gastfreundschaft und den tiefen Integrationswillen der „Wäller“ am eigenen Leibe erfahren durfte, möchte ich hier von ganzen Herzen meinen Bericht vom Besuch dieser bemerkenswerten Veranstaltung mit folgenden Worten enden lassen:

Hui Wäller!?

Allemol!

 


„Handycam“-Impressionen:


Medien-Links zum Weiterstöbern:

Die Veranstaltung

Die Veranstalter

Veranstaltungsbericht des SWR

Veranstaltungsbericht der Rhein-Zeitung

Veranstaltungsbericht der Siegener Zeitung

Veranstaltungsbericht AK-Kurier

 


 

 

Datum: 2015-10-23  Autor: Axel Krauße  Kommentare: keine Kommentare
Kategorie: Neuigkeiten, Toleranz, Unsere Themen

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